100 Tage LSVS – wenn ihr die bisherige Zeit mit einem Wort beschreiben müsstet, welches wäre es?
Holger Wilhelm: Motivation. Ich bin selten in ein Unternehmen gekommen, in dem die Mitarbeiter so motiviert waren und so viel Energie ausgestrahlt haben. Zu sehen, wie engagiert die Mitarbeiter sind, war für mich in den ersten 100 Tagen sehr prägend.
Florian Hartmann: Für mich ist es „intensiv“. Ich habe in den ersten 100 Tagen einfach so viele spannende Dinge erlebt: sei es hier am SPORTCAMPUS SAAR, in der Verwaltung des LSVS, bei meinen Besuchen bei den Verbänden, Vereinen oder bei Sportveranstaltungen. Die Bandbreite des SaarSports hat mich einfach beeindruckt.
Was hat euch in den ersten 100 Tagen am meisten überrascht – positiv wie negativ?
Florian Hartmann: Positiv war für mich – auch in Anlehnung an das Wort „intensiv“ – einfach das, was der SaarSport leistet: von der Vereinsebene über die Verbandsebene, die meist ehrenamtlich getragen wird, bis hin zum LSVS. Aber auch den Bereich des Leistungssports dürfen wir nicht vergessen – unseren Olympiastützpunkt und die Bundesstützpunkte.
Das Negative ist vermutlich die Diskrepanz zwischen dem, was der LSVS leisten soll und auch leistet, und der Wertschätzung, die er am Ende dafür bekommt. Das betrifft einerseits die öffentliche Wahrnehmung und die Frage, was wir überhaupt alles so tun. Das ist vielen noch gar nicht bewusst. Auch was der SPORTCAMPUS SAAR hier alles bietet, wissen viele nicht.
Natürlich betrifft das auch den Bereich Finanzen. Die Aufgaben sind über Jahre gewachsen, die Finanzierung ist aber nicht im gleichen Maße wie die Kosten mitgewachsen. Das sind zentrale Herausforderungen der nächsten Jahre.
Holger Wilhelm: Positiv habe ich ja eben schon die Motivation der Mitarbeiter erwähnt. Eine negative Überraschung will ich es gar nicht nennen, eher eine Herausforderung. Sie liegt darin, die Kommunikation in Richtung Öffentlichkeit so zu gestalten und damit dafür zu sorgen, dass wir die Vergangenheit endgültig hinter uns lassen. Der LSVS leistet seit vielen Jahren schon Enormes und das muss stärker in den Vordergrund.
Florian, wie hast du dich im Saarland eingelebt?
Florian Hartmann: Sehr gut. Ich sage immer allen, dass ich schockverliebt ins Saarland bin. Nicht nur die Größe des Saarlandes macht es einem leicht, das Saarland kennenzulernen, sondern auch zwischenmenschlich. Man kommt schnell miteinander ins Gespräch und trifft sich meistens schneller wieder, als man denkt. Das gefällt mir sehr.
Ich lerne allerdings noch: Im Saarland gibt es eigentlich keine sechs Ecken, irgendwann kennt immer jemand jemanden, der jemanden kennt. (lacht)
Wie schnell habt ihr euch auch aneinander als neues Vorstandsteam gewöhnt?
Holger Wilhelm: Eine Eingewöhnungsphase haben wir, glaube ich, gar nicht gebraucht. Schon vom ersten Kontakt an, als ich Florian das erste Mal kontaktiert habe – das war ja eine meiner Einstellungsvoraussetzungen, dass ich vorher mit Florian ein Gespräch führen durfte –, hat es direkt harmoniert.
Was ich jetzt feststelle, ist, dass wir gleich denken und die gleichen Vorstellungen haben. Zum einen im Umgang mit Mitarbeitern und Personal, also sehr transparent und kommunikativ. Zum anderen denken wir auch inhaltlich, fachlich und organisatorisch in die gleiche Richtung.
Florian Hartmann: Genau, das kann ich auch nur bestätigen. Wir diskutieren durchaus intensiv miteinander, aber wir haben schnell ein gemeinsames Verständnis entwickelt, dass es nie darum geht, wer Recht hat, sondern darum, was für den LSVS und den SaarSport die beste Lösung ist.
Was noch dazukommt: Wir können uns aufeinander verlassen. Das ist bei einem Zwei-Personen-Vorstand entscheidend.
Wie wurdet ihr von den Mitarbeitern beim LSVS aufgenommen?
Holger Wilhelm: Mein erster Kontakt mit Mitarbeitern des LSVS war damals bei meinem Assessment, als ich mich dort vorstellen durfte. Ich bin damals unten am Sportlertreff vorbeigelaufen und habe scheinbar ein bisschen hilflos gewirkt. Dann kam direkt eine Mitarbeiterin auf mich zu, hat mich ganz freundlich begrüßt und gefragt: „Kann ich dir helfen?“. Das war für mich schon ein erstes positives Erlebnis.
Und das hat sich in den ersten 100 Tagen absolut fortgesetzt. Die Mitarbeiter sind sehr offen, sie haben Vertrauen, sie reden mit uns und nicht über uns. Es gibt viele Dinge, die angesprochen werden, und das zeigt, dass die Mitarbeiter auch Vertrauen in uns haben.
Ich muss sagen, dass das auch für den LSVS ein sehr gutes Prädikat nach außen ist – gerade mit Blick darauf, wie die Mitarbeiter in ihrer Servicequalität, in ihrem Denken und in ihrer Unterstützung handeln.
Johannes Kopkow und Joachim Tesche haben den Verband stabilisiert und Strukturen professionalisiert. Welches Erbe nehmt ihr von euren Vorgängern mit – und was wollt ihr nach den Eindrücken der ersten 100 Tage auch bewusst anders machen?
Florian Hartmann: Es ist genau so. Sie haben den Verband stabilisiert und professionalisiert und wirklich eine sehr, sehr gute Ausgangslage hinterlassen. Dafür gebührt den beiden Respekt. Das bekommen wir auch immer wieder mit – und das nicht nur hier auf Ebene des LSVS, sondern wirklich im gesamten Saarland und darüber hinaus, beispielsweise auch beim DOSB.
Was jetzt unsere Aufgabe ist: den LSVS noch weiter zu öffnen. Mehr bei den Vereinen und Verbänden sein, stärker zuhören, Partnerschaften ausbauen und vor allem sichtbarer machen, was der LSVS eigentlich leistet und was der SPORTCAMPUS SAAR alles kann.
Gleichzeitig wollen wir stärker strategisch vorausdenken: Wo soll der SaarSport in fünf oder zehn Jahren stehen und welche Entscheidungen müssen wir heute dafür treffen?
Florian, dann ganz allgemein gefragt: Was leistet der LSVS schon und wo sind noch Potenziale?
Florian Hartmann: Wir sind nicht nur eine Verwaltung oder Förderstelle. Wir sind Dienstleister, Interessenvertretung und Infrastrukturgeber für den organisierten Sport im Saarland. Wir unterstützen Vereine und Fachverbände, organisieren Aus- und Fortbildungen, sichern den Versicherungsschutz, entwickeln den Leistungssport, engagieren uns für Safe Sport, Integration, Inklusion, Demokratie und Ehrenamt. Wir sind die größte Personenvereinigung des Saarlandes.
Wir können unsere Dienstleistungen für Vereine und Verbände aber noch einfacher zugänglich machen und vor allem digitale Angebote verbessern.
Wir betreiben zudem den SPORTCAMPUS SAAR, wo beispielsweise allein unsere Mensa 50.000 Menschen pro Jahr erreicht. Wir haben hier eine Infrastruktur, um die uns andere Regionen gerade im Leistungssport beneiden. Gleichzeitig unterstützen wir den Sport aber von der Basis im Verein bis zur internationalen Spitze.
Wir können aber auch noch mehr daraus machen und den SPORTCAMPUS SAAR als Standort noch besser positionieren.
Holger, eine große Frage gerade für dich als Vorstand Finanzen ist die nach der langfristigen Finanzierung des LSVS. Was benötigt es, um diese Leistungen des LSVS dauerhaft sicherzustellen?
Holger Wilhelm: Eine auskömmliche Finanzierung ist unabdingbar. Wir können froh sein, dass die Politik uns gut unterstützt und zusätzlich zum Sportachtel weitere projektbezogene Zuschüsse zahlt.
Aber man muss einfach sehen: Diese Zuschüsse und auch das Sportachtel sind nicht an die Inflation angepasst. Rund 85 Prozent unserer Umsätze sind konstant und von uns nicht beeinflussbar. Damit verbleiben nur 15 Prozent, die wir selbst beeinflussen können, beispielsweise durch den SPORTCAMPUS SAAR. Gleichzeitig steigen die Kosten aber deutlich stärker. Deshalb sind wir darauf angewiesen, diese Kosten auch entsprechend refinanzieren zu können.
Daher wollen wir zeigen, was der organisierte Sport alles für das Saarland leistet, und gemeinsam mit der Politik darüber sprechen, wie diese Leistungsfähigkeit langfristig gesichert werden kann.
Wo wollt ihr in den nächsten 100 Tagen schon konkret weiter sein?
Florian Hartmann: Wir haben in den ersten 100 Tagen zugehört und müssen in den nächsten 100 Tagen in die Umsetzung kommen. Dabei geht es aber natürlich noch nicht um die Großprojekte wie die Bogenhalle oder die langfristige Finanzierung des SaarSports.
Holger Wilhelm: Wichtig ist, die Ressourcen, die uns im gesamten Saarland zur Verfügung stehen, stärker für den Sport zu bündeln und gute Projekte wirksam in die Gesellschaft zu tragen. So können wir größer, stärker und wirksamer werden.
Das ist, glaube ich, die Aufgabe, die Florian und ich jetzt haben: mit der Politik und den Stakeholdern zu sprechen, um dieses Ziel gemeinsam anzugehen.

