Fackellauf die Fünfte: St. Wendel lässt sich die Laune trotz Dauerregen nicht verhageln
Der Fackellauf-Tag im Landkreis St. Wendel beginnt am Austragungsort von gleich vier Sportarten bei den Nationalen Spielen 2026 von Special Olympics im Saarland, die am Montag (15. Juni) mit der Eröffnungsfeier im Saarbrücker Ludwigsparkstadion feierlich eingeläutet werden: Auf, im und neben dem Bostalsee finden beim deutschen Höhepunkt der weltweit größten Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung die Wettkämpfe im Segeln, Triathlon, Freiwasserschwimmen und Beachvolleyball statt. Die eher mäßigen äußeren Bedingungen vor Ort können Gastgebern und Gästen die Laune beim Start in den Tag mit Segelrundfahrt nicht verhageln. Es sollte nach dem Auftakt in der Gemeinde Nohfelden ein insgesamt verregneter Aufenthalt im Landkreis werden – doch bei allen Stationen, so viel sei vorweggenommen, tat das der Vorfreude auf das größte Sportereignis in der Geschichte des Saarlandes keinen Abbruch: Ob am Tholeyer Schaumberg, in Oberthal, Bliesen oder St. Wendel, wo die „Flamme der Hoffnung“ am Abend zur Eröffnung des Stadtfests präsentiert wurde – bei allen Fackelläufen sorgte die goldene saarländische Grubenlampe mit dem symbolträchtigen Feuer im Innern für gute Stimmung im geselligen Beisammensein.
Beim Landesverband Saarländischer Segler (LVSS) zeigt sich „Flossi“, das Maskottchen des Bostalsees, bestens gelaunt. Elia Dorscheid ist sichtlich stolz, als der 16-jährige Special Olympics-Teilnehmer und Schüler der Eric-Carle-Schule Mainzweiler die Fackel zusammen mit St. Wendels Landrat Udo Recktenwald auf dem Steg am Bostalsee in Empfang nimmt und lächelnd präsentiert. Das tun beide auch nach der Überfahrt im Segelboot, das der LVSS-Vorsitzende Claus-Michael Lehr mit Innen-Staatssekretär Torsten Lang und weiteren Gästen an Bord zum Segelhafen manövriert, wo am Musikpavillon mit „Experience“ die Schulband der Gemeinschaftsschule Türkismühle den Fackelträgern einen schönen musikalischen Empfang bereitet. Neben deren Mitschülern sind Schüler der Gemeinschaftsschule Marpingen und der Eric-Carle-Schule vor Ort. Letztere empfangen ihren Schulkameraden Elia ebenso herzlich wie euphorisch. „Es hat Spaß gemacht“, verrät Elia, der bei den Nationalen Spielen in der Leichtathletik antreten wird, im Sprint, Weitwurf sowie in der Staffel – und es kaum erwarten kann, im Kieselhumes-Stadion in Saarbrücken, das wie viele weitere Sportstätten im Zuge des Großereignisses auf Vordermann gebracht wurde, sein Bestes zu geben. „Ich freue mich schon sehr auf die Spiele. Das wird super“, blickt der Leichtathlet vorfreudig voraus. Die Fackel hat er eben einer Fahrradstaffel übergeben, die sich unter dem sicheren Geleit der Polizei auf den Weg gen Tholey hinauf zum Schaumberg aufmachte.
Dem Segeltörn auf dem Bostalsee folgt der steile Anstieg zum Schaumberg
Derweil erläutern Staatssekretär Lang und Nohfeldens Bürgermeister Andreas Veit die spezielle Bedeutung der Flamme und der Spiele an sich: „Sie steht für Offenheit, Zusammenhalt, Vielfalt und vor allem Menschlichkeit. Die Special Olympics sind nicht nur ein Riesensportereignis, sondern ein großes Fest der Inklusion mit großen Emotionen.“ Landrat Recktenwald äußert seinen Stolz, dass die Spiele ins Saarland kommen und der Landkreis St. Wendel Austragungsort zahlreicher Sportarten sein werde. Neben den genannten am Bostalsee werden die Radsportler und Golfer in St. Wendel im Einsatz sein, auch die Reit- und Voltigier-Wettkämpfe finden dort statt. Und zwar laut Wettervorhersage bei deutlich besseren Bedingungen für einen Aufenthalt am Strandbad Bosen. „Heute regnet es sich ein letztes Mal aus. Das wird nächste Woche anders sein – das wird unser saarländisches Sommermärchen“, ist Torsten Lang überzeugt. Und Udo Recktenwald schließt sich nahtlos an: „Nächste Woche haben wir beim Höhepunkt auf jeden Fall Sommerwetter.“ Der Landrat erhofft sich vom Großereignis nicht zuletzt nachhaltige Effekte. Auch Recktenwald verweist auf die übergeordnete Bedeutung der Nationalen Spiele: „Das Sportliche ist das eine, aber das Zusammensein, die Gemeinschaft, das Miteinander – das ist entscheidend.“ Das Motto könne nur lauten, wie er es anhand seiner ersten Segelbootfahrt soeben erlebt habe: „Wir sitzen alle in einem Boot, es ist wichtig, dass wir einen gemeinsamen Kurs einschlagen.“ Der Fackellauf-Tag in St. Wendel bot letztlich Anschauungsunterricht, wie ein herzliches und fröhliches Miteinander aussehen kann.
Ein besonderer Dank erreicht Indra Rauber von der Touristik St. Wendeler Land und das gesamte Organisationsteam des Landkreises, ehe die Abfahrt zum Schaumberg erfolgt. Dort bestimmt dichter Nebel die Szenerie um den imposanten Schaumberg-Turm, der laut Aussagen Ortskundiger eine begehbare Höhe von aktuell 35 Metern aufweist und noch in den Fokus rücken sollte. Erst jedoch folgt die Ankunft der Radstaffel, die sich im Schlepptau eines Polizei-Autos die letzten Meter bis zur Schaumberg-Alm auf der 568 Meter hohen Erhebung hinaufkämpft. Vorne weg Joshua Schwarz aus Heiligenwald, der die Grubenlampe mit der „Flame of Hope“ in einem Korb vorne am Fahrrad nach oben bringt und sie Tholeys Bürgermeister Andreas Maldener und Staatssekretär Lang übergibt. Danach blickt Joshua voraus auf den anstehenden Höhepunkt, wo er in der Leichtathletik im Kugelstoßen und im Laufen an den Start geht. „Ich freue mich sehr auf die Spiele. Im Laufen bin ich etwas besser, ich werde alles geben und hoffe, so gut wie möglich zu sein“, sagt der 16-Jährige aus Heiligenwald, der die Eric-Carle-Schule besucht und von einer Teilnahme an den Weltspielen 2027 in Santiago de Chile träumt. Die Maskottchen des Landkreises St. Wendel, „Wenda und Linus“, drücken ihm ganz sicher die Daumen. Gleiches gilt für Alexander Indermark, den Präsidenten von Special Olympics Saarland, der mit Vize-Präsident Stephan Leschhorn – auch Geschäftsführerin Xenia Hülsmann stößt später dazu – dem Fackellauf-Tag in St. Wendel einen Besuch abstattet – und am Schaumberg noch einen spektakulären Höhepunkt erlebt, den Towerrun.
Tower-Run im Nebel, Live-Musik-Unterhaltung und französischer Überraschungsbesuch
Fabian Thömmes bietet den „Spaziergang der besonderen Art“, hinablaufend an der Außenwand des Turms für Interessierte an. Bei den nebelig-glitschigen Bedingungen an diesem Tag ist der Mut seines Schützlings Patrick Quasten im Trikot der Fußballer der SG Schaumberg/Nahe nur umso höher zu bewerten. Trotz der Umstände mit ganz schlechter Sicht bringt er die Fackel auf den 30 Metern, die er bestens gesichert mit vorsichtigen Schritten bewältigt, sicher und heil nach unten – gefolgt vom großen Applaus der offiziellen Gäste und einiger Schaulustiger, die sich trotz sehr ungemütlicher Witterung auf den Berg gewagt haben. „Eine starke Nummer“, muss da nicht nur Maldener zugeben. Stark war auch der Einsatz der Polizei, vom Roten Kreuz und natürlich der Fahrradfahrer in Begleitung der Fackel. Sie alle bekommen vom Bürgermeister und Lang ein großes Dankeschön mit auf den Weg, genauso alle Weiteren in Organisation und Ablauf involvierten Helfer. Und das Musik-Quartett von „Blind Audition“, unter anderem formiert aus drei blinden Musikern der Louis-Braille-Schule Lebach, darf sich des kollektiven Lobs nach einem tollen Auftritt ebenfalls sicher sein. Alles in allem sei der Fackellauf „ein wunderbares Zeichen für Miteinander und Gemeinschaft“, betont Maldener, der auch die Freundschaft zu Frankreich hervorhebt. Ein Hinweis auf die folgende Überraschung bei der nächsten Station am Alten Bahnhof Oberthal.
Dort erwarten die vielen Besucher und Ortsvertreter am frühen Nachmittag beim dortigen Kinder- und Fackelfest die Ankunft der Grubenlampe, der sich am Schaumberg Hartmut Heinke, der Behindertenbeauftragte der Gemeinde Oberthal, angenommen hatte, um sie per Rollstuhlfahrrad nach Oberthal zu bringen. Dort begrüßt Bürgermeister Björn Gebauer die Gäste, Einwohner, die Helfer der Lebenshilfe, der Bergradler und aus der Gemeinde sowie die vielen Kinder, denen neben einer musikalisch-interaktiven Vorführung von Eddi Zauberfinger weitere Aktivitäten und Spiele geboten werden. Die Flamme der Hoffnung präsentiert derweil der zwölfjährige Oskar Dewes, der in seinem Rollstuhl mit der bekannten Personal Trainerin Jasmin Lehmann den Fackellauf absolviert, begleitet auf der anderen Seite von seinem stolzen Papa. Lehmann, die via Internet eine Vielzahl an „Followern“ erreicht, lädt daraufhin noch zu einer spontanen, prominent besetzten kleinen Fitnesseinheit, an der neben dem inzwischen eingetroffenen Innenminister Reinhold Jost in Johannes Kopkow der Vorstand Sport & Marketing beim Landessportverband für das Saarland (LSVS) sowie Torsten Lang und Gebauer teilnehmen. Kniebeuge, Standwaage und Liegestütze, gefolgt von vorfreudigen Worten durch den Innenminister so kurz vor den Spielen. Am Sonntag stehe der erste große Anreisetag der am Ende über 4.000 Athleten aus dem gesamten Bundesgebiet an. Mit den Spielen wolle man vor allem auch „ein starkes Zeichen setzen, dass Inklusion, Solidarität und Zusammenhalt am besten über den Sport gelingt.“ Menschen mit Behinderung seien eine Bereicherung, ein Glücksfall für die Gesellschaft, so Jost – ehe eine Gruppe französischer Gäste vom Handball Club Auxerrois den Minister in Oberthal überrascht. Der Besuch aus dem Nachbarland hat Geschenke mitgebracht und ist eine der über zehn ausländischen Delegationen, die rund um die Nationalen Spiele im Rahmen des „Host Town-Programms“ in mehreren saarländischen Gemeinden einen längeren Aufenthalt samt kulturellem Austausch im Saarland haben.
In Bliesen großer Bahnhof, in St. Wendel das große Finale Richtung Stadtfest
Großer Bahnhof herrscht daraufhin beim nächsten Fackellauf am Alten Bahnhof Bliesen, wo auf dem Weg hinter der Gaststätte „Radsteig 1“ der Ortsvorsteher Wolfgang Theis die vielen Leute beim Zwischenstopp der goldenen Grubenlampe begrüßt und auf die vorbereitete Zwischenverpflegung verweist. Danach äußert er seine Begeisterung, mit seinen Helfern und Unterstützern aus Bliesen, unter anderem vom Turnverein, ein Teil dieses tollen Tages sein zu dürfen. Im Anschluss versammelt sich eine große Menschenmenge am frühen Abend auf dem Parkplatz in der Nähe einer Tankstelle nahe der Innenstadt von St. Wendel, wo auf dem Stadtfest die letzte Station des Fackellaufs durch den Landkreis ansteht. Auf dem Weg über die von Polizei und Feuerwehr kurzfristig gesperrten Straßen reihen sich hunderte Menschen zum großen und besonders stimmungsvollen finalen Fackelzug hinter der von Bürgermeister Peter Klär angeführten Spitze mit der Flamme ein, die unter anderem von Jens Martin und Michael Müller getragen und schließlich von den beiden Tischtennisspielern, die ab nächster Woche in Saarbrücken bei den Nationalen Spielen aufschlagen, am Schlossplatz den dortigen Besuchern und Gästen präsentiert wird. Nach der Anmoderation von Frank Falkenauer geht es unter großem Beifall der Schaulustigen rauf auf die Bühne, wo daraufhin zahlreiche Erinnerungsfotos mit der Grubenlampe geschossen werden. Derweil blickt Müller auf den anstehenden Höhepunkt: „Ich übe das ganze Jahr über, freue mich jetzt sehr, dass es endlich losgeht“, betont der Tischtennisspieler aus Oberlinxweiler. „Das wird richtig toll, ich freue mich riesig darauf“, unterstreicht auch der Urweiler Jens Martin: „Ich werde mein Bestes geben, hoffe natürlich auf eine Medaille – aber eigentlich ist da Dabeisein schon alles“, nennt er ein persönliches Motto, das sich alle Saarländerinnen und Saarländer zu Herzen nehmen sollten, um diesem einmaligen Höhepunkt mit rund 14.000 Akkreditierten aus ganz Deutschland und darüber hinaus jenen Rahmen zu verleihen, den die Nationalen Spiele von Special Olympics verdienen. Der Fackellauf im Landkreis hat die Vorfreude auf das größte Sportereignis in der Geschichte des Saarlandes jedenfalls weiter erhöht – daran konnte auch das trübe Wetter rein gar nichts ändern.

