Letzter Fackellauf-Tag im Saarpfalz-Kreis: Viel Publikum, Traumwetter und „gute Laune einfach überall“
Medelsheim am Morgen, die Hölle los in Homburg, Begeisterung in Blickweiler: Der Fackellauf-Tag im Saarpfalz-Kreis war der letzte vor den Nationalen Spielen 2026 von Special Olympics im Saarland, die an diesem Montag (15. Juni) in Saarbrücken nach einem finalen Hinführungszeremoniell am Abend im Ludwigsparkstadion feierlich eröffnet werden. Nach dem Landkreis Merzig-Wadern, dem Regionalverband Saarbrücken und dem Kreis Neunkirchen in der Vorwoche rührten in der Woche vor der größten Sportveranstaltung in der Geschichte des Saarlands die übrigen Landkreise nochmal kräftig die Werbetrommel. Nachdem der Kreis Saarlouis die „Flamme der Hoffnung“, verwahrt in der Replik einer saarländischen Grubenlampe, bei bestem Wetter teils spektakulär inszeniert hatte, war der Landkreis St. Wendel am Freitag mit fast durchgehend nasskühler Witterung etwas vom Pech verfolgt geblieben – doch nur einen Tag später herrscht im Saarpfalz-Kreis wieder eitel Sonnenschein: Der Himmel über Gersheim-Medelsheim ist am Morgen nahezu wolkenfrei, auf der Burgstraße im Ort einiges los: Nicht nur die Fackel steht heute hier im Fokus, auch das traditionelle Radrennen Trofeo Saarland bestimmt die Szenerie. Bei der internationalen Rundfahrt für die besten Nationalteams im U19-Bereich läuft das für die Gesamtwertung wichtige Einzelzeitfahren. Bei den Nationalen Spielen wird der Radsport eine von 27 Sportarten in allen sechs saarländischen Landkreisen und dem Regionalverband sein, an denen insgesamt rund 4.300 Athleten mit geistiger Behinderung teilnehmen. Die Radsport-Wettbewerbe werden in St. Wendel ausgetragen.
Sonne am Himmel, „Haus Sonne“ mit Flamme vorneweg – und „gute Laune einfach überall“
In Medelsheim gehen die Radstars von morgen auf der Peppenkumer Straße von der Startrampe, dort und auf dem Kopfsteinpflaster der abschüssigen Burgstraße, wo im oberen Teil nahe der Grundschule Medelsheim das Ziel des Tages auf die Fahrer wartet, haben sich zahlreiche Zuschauer am Rand der in diesem Bereich mit Gattern gesicherten Strecke postiert. Sie feuern die Nachwuchspedaleure lautstark an, benutzen dazu teilweise Rasseln, Kuhglocken oder Pappklatschen und gönnen sich zwischendurch eine Pause auf dem mitgebrachten Klapp- oder Liegestuhl. Am Kaffee- und Kuchenstand vorbei folgt der Platz, wo die besten Fahrer nach der drittletzten Trofeo-Etappe geehrt werden, ehe es weiter runter zum Start des Fackellaufs geht. Am Ortseingang von Medelsheim präsentieren Ultra-Triathlet Tristan Vinzent und Helena vom „Haus Sonne“ in Gersheim-Walsheim die Flamme den weiteren Gästen und Besuchern vor Ort, nachdem das saarländische Gastgeber-Trio der Spiele sie übergeben hat. Innen-Staatssekretär Torsten Lang, Aaron Wollscheid als Special Olympics-Stabstellenleiter beim Landessportverband für das Saarland (LSVS) und Xenia Hülsmann, Geschäftsführerin von Special Olympics Saarland, waren für die drei Gastgeber bei der ersten Fackelstation unter anderem dabei.
Angeführt von den Cheerleaderinnen der „Red Falcons“ aus Zweibrücken macht sich der Fackel-Tross stimmungsvoll mit zahlreichen Teilnehmern auf den Weg nach oben zum Ziel des Radrennens. Neben den vielen Mitarbeitern der Saarpfalz-Touristik, darunter die stellvertretende Geschäftsführerin Katrin Thieser als Hauptorganisatorin des Fackellaufs, und den Fackelträgern vom Haus Sonne sind viele weitere Vereine und Institutionen vertreten. Die Jugendfeuerwehr Medelsheim in ihren orangenen Shirts trägt zum bunten Treiben ebenso bei wie die Fußballer der SG Parr Medelsheim oder Rad-Olympiasieger und Trofeo-Rennleiter Andreas Walzer. Mit Gesang geht es bestens gelaunt, unter Einsatz der verteilten Fähnchen über das ansteigende Kopfsteinpflaster rauf zum Ziel: „Hinten gute Laune, vorne gute Laune“, singt die Menge lauthals – „gute Laune einfach überall.“ Auf den letzten Metern vor dem Zielstrich stehen die Cheerleaderinnen Spalier, am Streckenrand feiern die Besucher die Ankunft der Flamme und deren Empfang durch Michael Clivot als Bürgermeister der Gemeinde Gersheim sowie Ortsvorsteherin Janine Bieder. Letztere bekundeten ihre Begeisterung, Teil der Nationalen Spiele von Special Olympics im Saarland zu sein, wünschten den Athletinnen und Athleten sechs tolle Tage und größtmöglichen Spaß.
Große Bühne, viele Fackelläufer und italienisches Flair in Homburg
Nach dem stimmungsvollen Startschuss in Medelsheim ist am Ort des zweiten Fackellaufs im Saarpfalz-Kreis einiges los. In der Homburger Innenstadt herrscht kurz vor der Mittagsstunde im Rahmen des Integrationsfest in der Kreisstadt großes Treiben. Auf dem Marsch zum dicht bevölkerten Christian-Weber-Platz durch die für den Autoverkehr gesperrte Talstraße bahnt sich der langgezogene Fackeltross den Weg vorbei an den etlichen aufgestellten Ständen, an denen unzählige Vereine, Verbände, Institutionen und Unternehmen aus Homburg und dem Saarpfalz-Kreis den Besuchern ihre Angebote und Informationen präsentieren. Angefangen am Vauban-Carrée mit einer „Blaulichtmeile“, wo Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz und andere für interessierte Bürgerinnen und Bürger zum Austausch bereitstehen, reiht sich danach auf den Metern hin zum Christian-Weber-Platz mit der großen Veranstaltungsbühne darauf ein Pavillon an den anderen. Stark vertreten sind vor den Nationalen Spielen der weltweit größten Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland die Sozial- und Wohlfahrtsverbände wie AWO oder Lebenshilfe im Saarpfalz-Kreis oder auch der Rotary Club Homburg-Saarpfalz, der sein 25-jähriges Jubiläum feiert. Oder auch die Fußballer des FC Homburg sowie die Sportler vom Aikido Homburg-Erbach. Im Sportzentrum Homburg-Erbach werden während der Spiele die Wettbewerbe im Judo ausgetragen.
Finja Bastian und Philipp Scheidweiler als Beigeordneter der Kreisstadt Homburg führen die Flamme der Hoffnung auf die große Bühne, wo Homburgs Bürgermeister Manfred Rippel betont, es sei „für Homburg ein besonderer Tag, einer der Vielfalt und des gelebten Miteinanders – zentrale Begriffe, wofür Homburg steht“. Die Special Olympics stünden für Gemeinschaft, gegenseitigen Respekt und Menschlichkeit. Rippel dankt allen, die „so viel Herzblut in die Vorbereitung des Wochenendes eingebracht“ haben, etwa die vielen Vereine und Verbände, die Fackelträger oder Thomas Höchst als Inklusionsbeauftragter der Stadt, bis hin zu Veranstaltungsmanager Thorsten Bruch und vielen anderen. „Ohne vielfältige dieser Art wäre das alles nicht so umzusetzen“, betont Rippel, der ankündigt: „Auf einem der größten Feste in Europa lassen wir es jetzt so richtig krachen.“ Ein großes Mitmach-Angebot, unter anderem ein aus über 10.000 Bierkisten aufgebautes Labyrinth, erwartet die vielen Kinder und Jugendlichen beim Stadtfest und soll den diesjährigen Ausfall des Kinderfests vergessen machen. Am Abend heizt die Band „Corona“ auf dem Marktplatz musikalisch ein. Bürgermeister Rippel zeigt sich nicht zuletzt stolz über den Besuch einer italienischen Sportlergruppe im Rahmen des erstmals bei Nationalen Spielen von Special Olympics stattfindenden „Host Town“-Programms. Sechs Athleten und drei Trainer eines Turiner Special Olympics-Vereins waren am Freitag in Homburg angekommen.
Mit reichlich Herzblut, als stolze „Host Town“: „Ein besonderer Tag für Homburg“
Während des Fackelzugs Richtung große Bühne verrät einer der italienischen Beachvolleyballer, die bei den Wettkämpfen im Strandbad Bosen am Bostalsee mit dabei sein werden: „Es ist das erste Mal, dass wir im Saarland sind – und wir finden es wundervoll. Uns gefällt es hier sehr gut und wir freuen uns auf alles, was noch kommt.“ Kurz drauf werden die italienischen Gäste auf die Bühne gebeten, wo sie Innenminister Reinhold Jost und die weiteren Offiziellen in Empfang nehmen, ehe Giovanna Taverna als Präsidentin des Clubs die Eidesformel von Special Olympics auf Italienisch einspricht: „Ich will gewinnen! Doch wenn ich nicht gewinnen kann, so will ich mutig mein Bestes geben!“ Das werden in allen Regionen des Saarlandes um die 4.300 Special-Sportler in den kommenden Tagen der Nationalen Spiele tun. „Wir wollen sie zu unserem saarländischen Sommermärchen machen“, betont Minister Jost und blickt begeistert auf die Menschenmenge vor sich: „Das ist ein tolles buntes Bild, das ich von hier oben sehe. Das, was ihr alle für die Gemeinschaft und das Miteinander leistet, ist der Spirit des Saarlandes.“ Gutes Wetter sei für die Spiele bis zum 20. Juni garantiert, wie Frank John als Landrat des Saarpfalz-Kreises nach vorherigem Dank an alle Beteiligten lächelnd verrät: „Ich habe mit den anderen Landräten abgemacht, dass das Wetter in den nächsten Tagen so bleiben wird.“ In Homburg waren sowohl Stimmung als auch Wetter beim letzten Fackeltag in den Kreisen jedenfalls durchgehend glänzend.
Und auch zum Abschluss im Saarpfalz-Kreis geht es am frühen Abend stimmungsvoll zu, als in Blickweiler während der laufenden Trofeo-Etappe auf einem Rundkurs in dessen Zielbereich der letzte Fackellauf des Tages ansteht. Neben Feuerwehr und Polizei, die den ganzen Tag über an vielen Orten wichtige Hilfe geleistet haben. Wieder geht es mit „guter Laune einfach überall“ auf die finalen Meter, vorbei an zahlreichen Zuschauern, die dem Fackeltross am Streckenrand laut zujubeln. Neben dem Orga-Team der Saarpfalz-Touristik sind in Blickweiler dort ansässige Vereine wie die „Pulverblättcher“ und der SV Blickweiler-Breitfurt mit von der Partie. Auch die roten Shirts mit der Aufschrift „Volunteers“, die bei den Nationalen Spielen vielzählig zu sehen sein werden, tauchen im Saarpfalz-Kreis erstmals auf. Und natürlich „Unity“, das Maskottchen der Nationalen Spiele 2026 im Saarland. Ebenso herzlich wie dessen Anblick begrüßen nach dem Fackellauf die Gastgeber aus der Gegend ihren Besuch. Bernd Hertzler als Bürgermeister der Stadt Blieskastel, Landrat Frank John und Ortsvorsteher Walter Boßlet brachten ihre Freude und ihren Stolz zum Ausdruck, mit dem heutigen Tage zum Erfolg der Special Olympics-Spiele beizutragen und dankten allen Helferinnen und Helfern für ihren tatkräftigen Einsatz. Zuvor hat Kaja Hurth vom Haus Sonne mit dem ehemaligen Weltklasse-Badmintonspieler Michael Keck (SSV Heiligenwald) die Flamme der Hoffnung zum Ziel und weiter auf die Bühne auf dem Platz der Trofeo-Siegerehrung überführt.
Trofeo meets Special Olympics: Blickweiler blickt auf besondere Menschen
Minister Jost unterstreicht derweil seine immense Vorfreude hinsichtlich der „größten inklusiven Sportveranstaltung für Menschen mit geistiger Behinderung in Europa“, er sei sehr stolz und überzeugt, dass alle Saarländer „im ganzen Saarland zeigen werden: Wir haben ein großes Herz und können verdammt gute Gastgeber sein. Das zeigen wir alleine hier bei der Trofeo-Radrundfahrt jedes Jahr“, so Jost. Auch an der Eröffnungsfeier, die mit gut 15.000 Zuschauern nahezu ausverkauft ist, könne jeder teilhaben und sich entsprechend weiter einstimmen auf diese tolle Woche im Zeichen der Special Olympics. „Wir haben bei Nationalen Spielen erstmals eine Live-Übertragung in den dritten Programmen. Daher verabredet euch, kommt alle zusammen und feiert dieses einmalige Ereignis in der Historie unseres Bundeslands“, richtet der Minister noch einmal einen Appell an die Bevölkerung – und erntet dafür großen Beifall. Alle Offiziellen wünschen den Special-Sportlern für ihren Aufenthalt im Saarland größtmöglichen Spaß und viel Erfolg für ihre sportlichen Auftritte, „besondere Menschen, die unsere Gesellschaft wertvoller und reicher machen.“ Es wird ihre Woche und ihre große Bühne, auf der sie sich stolz präsentieren – so wie der Stolz Finja Hurth auf der Bühne in Blickweiler ins Gesicht geschrieben steht, während sie kniend, Seite an Seite mit Michael Keck, die Flamme der Hoffnung präsentiert.

