„Blicke mit Stolz auf die Spiele zurück"

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Die Special Olympics Nationalen Spiele Saarland 2026 waren auch ein Herzensprojekt von Reinhold Jost. Der Minister für Inneres, Bauen und Sport des Saarlandes war das politische Gesicht des größten Sportevents in der Geschichte des Landes.

 

Vom 15. bis 20. Juni traten 4.300 Athletinnen und Athleten aus zwölf internationalen Delegationen in 27 Sportarten an, rund 110.000 Besucherinnen und Besucher verfolgten die Wettbewerbe an 23 Sport- und Veranstaltungsstätten im ganzen Saarland und im französischen Forbach. Einige Wochen nach dem Ende der Spiele zieht der Minister im Gespräch mit SaarSport-Mitarbeiter Sebastian Zenner Bilanz – und wird dabei überraschend persönlich.
 

Herr Jost, die Special Olympics Nationalen Spiele liegen nun einige Wochen zurück. Wie fällt Ihr Fazit aus, wenn Sie heute zurückblicken?

Reinhold Jost: Ich blicke mit großer Dankbarkeit und auch mit Stolz auf diese Spiele zurück. Sie waren für uns alle im Saarland ein voller Erfolg – sportlich, organisatorisch und vor allem menschlich. Wir haben gezeigt, dass Inklusion keine politische Floskel ist, sondern gelebt werden kann. Die Spiele haben Menschen zusammengebracht, Vorurteile abgebaut und das Saarland als offenen, herzlichen Gastgeber präsentiert. Das ganze Land hat gezeigt, dass man nicht groß sein muss, um Großartiges zu erreichen.

Vor den Spielen sagten Sie, Sie wollten mit dem Saarland Maßstäbe setzen. Ist das aus Ihrer Sicht gelungen?

Jost: Ja, davon bin ich überzeugt. Wir haben in vielerlei Hinsicht Neuland betreten. Zum ersten Mal fanden Nationale Spiele in einem ganzen Bundesland statt, wir hatten grenzüberschreitende Wettbewerbe mit Schwimmen im französischen Forbach, erstmals 27 Sportarten sowie das Host-Town-Programm mit einem Dutzend Nationen aus ganz Europa und zahlreiche Schulprojekte. Dass all das so gut angenommen wurde, zeigt mir: Das Saarland kann mit kreativen Ideen bundesweit Maßstäbe setzen.

Kurz vor dem Start waren einzelne Sportstätten noch nicht ganz fertig, etwa das Sportfeld des 1. FC Saarbrücken. Ist am Ende alles rechtzeitig fertiggestellt worden – und wie hat sich die neue beziehungsweise sanierte Infrastruktur im laufenden Wettkampfbetrieb bewährt?

Jost: Kurz vor Beginn war die Anspannung natürlich groß. Aber am Ende konnten alle Wettbewerbe wie geplant stattfinden. Die organisatorischen Herausforderungen waren enorm, und ich möchte allen danken, die bis zuletzt mit Hochdruck gearbeitet haben. Das hat hervorragend funktioniert, und die neuen beziehungsweise sanierten Anlagen haben sich im Wettkampfbetrieb bewährt.

Sie sagten vorab, was bei den Spielen entsteht, bleibt für den saarländischen Sport erhalten. Welche der sanierten Anlagen profitieren jetzt langfristig vom Special-Olympics-Effekt?

Jost: Genau das war mir von Anfang an wichtig: Dass wir nicht nur eine Woche lang tolle Spiele erleben, sondern dass dauerhaft etwas für den Sport im Saarland bleibt. Besonders sichtbar ist das am Stadion am Kieselhumes. Dort ist aus einem in die Jahre gekommenen Sportplatz eine moderne Sportanlage entstanden – inklusive eines neuen Nebengebäudes, das Inklusion an diesem Standort überhaupt erst möglich macht. Davon profitieren die Vereine und der Sport noch viele Jahre. 

Beim Bungertstadion in Rehlingen sprachen Sie von einem der nächsten großen Sanierungsthemen. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Jost: Das Thema ist der Sportplanungskommission bekannt. Allerdings gibt es bislang weder einen fertigen Förderantrag noch einen belastbaren Kostenplan. Deshalb wäre es unseriös, jetzt konkrete Aussagen zu treffen. Sobald belastbare Grundlagen vorliegen, werden wir das Projekt selbstverständlich unterstützen – eine Förderung in Höhe von bis zu 75 Prozent aus Bedarfszuweisungen steht als Zusage im Raum.

Am Ende traten 4.300 Athletinnen und Athleten aus zwölf internationalen Delegationen in 27 Sportarten an, dazu kamen rund 110.000 Besucherinnen und Besucher an 23 Sport- und Veranstaltungsstätten. Wie ordnen Sie diese Dimension ein – hat sie Ihre eigenen Erwartungen übertroffen?

Jost: Die Dimension dieser Spiele war wirklich beeindruckend – sportlich und emotional. Natürlich hatten wir große Erwartungen, aber zu erleben, wie viele Menschen sich begeistert haben und welche internationale Atmosphäre entstanden ist, hat mich sehr beeindruckt. Vor allem wurde sichtbar, dass Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen selbstverständlich in die Mitte unserer Gesellschaft gehören. Genau diese Botschaft haben die Spiele transportiert.

Das saarländische Team selbst holte 106 Medaillen – 32-mal Gold, 39-mal Silber, 35-mal Bronze. Wie wichtig war dieser sportliche Erfolg der Gastgeber für die Wahrnehmung der Spiele im eigenen Land?

Jost: 106 Medaillen sind natürlich eine großartige Leistung, auf die wir alle stolz sein können. Aber wenn Sie mich fragen, was mir wichtiger ist, dann sind es die Begegnungen und die gelebte Inklusion. Die Spiele haben gezeigt, dass Teilhabe und gegenseitiger Respekt am Ende mehr zählen als jede Medaille.

Neben dem Wettkampf gab es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Was ist Ihnen davon am meisten in Erinnerung geblieben?

Jost: Mich haben vor allem die vielen Begegnungen bewegt. Die schönsten Momente lassen sich gar nicht in Zahlen ausdrücken. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Szene, als Athletinnen und Athleten auf eine Polizeistreife zugingen, die Beamtinnen und Beamten umarmten und sich einfach bei ihnen bedankten. Das war ein Moment, der gezeigt hat, welche Herzlichkeit und Offenheit diese Spiele geprägt haben.

Vorab sprachen Sie von den Fackelläufen durch alle Landkreise als Gelegenheit, das ehrenamtliche Engagement im Saarland sichtbar zu machen. Wie haben die Menschen im Land dieses Angebot angenommen?

Jost: Die Resonanz hat uns alle begeistert. Über 20.000 Menschen haben sich an den Fackelläufen als Teilnehmende oder Zuschauende eingebracht. Das war ein beeindruckendes Zeichen dafür, wie stark der Zusammenhalt und das Ehrenamt im Saarland sind. Am 19. Mai wurde die Flamme der Hoffnung in Berlin entzündet, mit einem eigenen Empfang für Bundestagsabgeordnete, Vertreter der Bundesregierung, der teilnehmenden internationalen Teams und der Presse. Ab dem 2. Juni zog sie von der luxemburgischen Grenze bei Perl/Schengen, sowohl als klassische Fackel als auch als Grubenlampe sieben Tage lang durch alle Landkreise und die Landeshauptstadt. Sie wurde unter anderem mit einem Fallschirm auf das Saarpolygon gebracht und mit Drachenbooten von Dillingen nach Saarlouis transportiert. Die Fackel war beim Junioren-Radrennen Trofeo im Bliesgau zu Gast, im Merziger Hafen und am Konservatorium in Forbach. Sie hat Station gemacht in Völklingen und war Gast in den Altstadtgassen in Ottweiler, war am Bostalsee und in St. Wendel und schließlich auf der Zielgeraden in der Landeshauptstadt vom Rathaus in einem beachtlichen Demonstrationszug bis zum Ludwigsparkstadion gebracht worden.

Rund 3.100 Volunteers waren im Einsatz, dazu haben zahlreiche saarländische Kommunen als Host-Towns internationale Delegationen empfangen. Wie hat sich dieses Engagement aus Ihrer Sicht ausgezahlt?

Jost: Ohne unsere Volunteers hätte es diese Spiele nicht gegeben. Sie waren das Herz dieser Veranstaltung. Dazu kamen viele Beschäftigte aus der öffentlichen Verwaltung und die Kommunen, die mit unglaublich viel Engagement Gastgeber waren. Das Host-Town-Programm war eine echte Bereicherung und hat gezeigt, wie offen und gastfreundlich unser Land ist.

Was hat Sie an den Rückmeldungen aus den Host-Towns und Ausrichterkommunen am meisten überrascht oder gefreut?

Jost: Mich hat besonders gefreut, wie selbstverständlich Europa bei uns gelebt wurde. Die Zusammenarbeit mit unseren französischen Partnern war ein starkes Zeichen für Freundschaft und Zusammenhalt. Und ich glaube, eines ist in dieser Woche sehr deutlich geworden: Das Saarland mag vielleicht nicht das größte Bundesland sein, aber wir haben ein großes Herz. Das haben unsere Gäste gespürt.

Vor den Spielen war von signifikanter Wertschöpfung für Hotellerie und Gastronomie die Rede. Lässt sich dieser wirtschaftliche Effekt inzwischen beziffern oder zumindest grob einordnen?

Jost: Die endgültige Auswertung läuft noch. Nach ersten Einschätzungen sprechen wir allein bei den Übernachtungen von deutlich über sieben Millionen Euro Umsatz. Hinzu kommen die positiven Effekte für Gastronomie, Handel und Tourismus. Ich bin außerdem überzeugt, dass viele Gäste das Saarland so positiv erlebt haben, dass sie wiederkommen werden – dann als Urlauber.

Die Special Olympics wurden über einen Ministerratsbeschluss mit zwei Millionen Euro Landeszuschuss abgesichert. Ist dieses Versprechen eingehalten worden?

Jost: Ja, dieses Versprechen haben wir eingehalten. Die vereinbarten zwei Millionen Euro sind wie zugesagt an Special Olympics Deutschland geflossen. Gleichzeitig haben wir darüber hinaus zusätzliche Mittel für den Sport mobilisiert. Allein über Bedarfszuweisungen konnten Sportstätten mit rund 8,7 Millionen Euro modernisiert oder saniert werden. Das ist eine Investition, die dem Sport im Saarland dauerhaft zugutekommt.

Bundesweite Formate wie Tagesthemen und heute-Journal haben berichtet, auch international gab es Interesse. Wie hat sich das Saarland als Gastgeber nach außen präsentiert?

Jost: Ich glaube, wir haben uns genauso präsentiert, wie wir sind: herzlich, engagiert und leistungsfähig. Wir haben bewiesen, dass wir Großveranstaltungen professionell organisieren können und dabei trotzdem den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Dieses Bild des Saarlandes ist weit über unsere Landesgrenzen hinausgetragen worden.

War auch die angekündigte hochrangige Beteiligung aus Brüssel und der Großregion am Ende tatsächlich vor Ort?

Jost: Ja. Wir konnten zahlreiche hochrangige Gäste begrüßen – unter anderem Mitglieder des Europäischen Parlaments wie Manuela Ripa und Nele Riehl, politische Vertreter aus Frankreich, Patrick Weiten, Pascal Bolot, Jerome Spinoza und Jean-Claude Hehn. Ebenfalls durften wir unsere Bundesgesundheitsministerin, Nina Warken, im Ludwigsparkstadion begrüßen. Auch die Sportministerin Luxemburgs, Martine Hansen, war vor Ort und die israelische Generalkonsulin Talya Lador-Fresher.

Drei Tage nach Abschluss der Spiele haben Sie im Landtag eine neue Förderrichtlinie für sportliche Großveranstaltungen angekündigt. Was hat die Special-Olympics-Erfahrung daran konkret befördert?

Jost: Die Spiele haben noch einmal eindrucksvoll bestätigt, dass das Saarland große Sportveranstaltungen auf höchstem Niveau ausrichten kann. Dieses Selbstbewusstsein nehmen wir mit. Die Förderrichtlinie war zwar schon länger in Vorbereitung und ist keine direkte Folge der Spiele. Aber die Erfahrungen haben uns darin bestärkt, diesen Weg konsequent weiterzugehen. Unser Ziel bleibt, die Richtlinie zum 1.  Januar 2027 in Kraft treten zu lassen und künftig noch mehr nationale und internationale Sportveranstaltungen ins Saarland zu holen.

Was bleibt aus Ihrer Sicht am Ende von diesen Spielen – für den organisierten Sport im Saarland und für das Land als Ganzes?

Jost: Für mich bleiben vor allem die Menschen. Die Begegnungen, die Emotionen und das Gefühl, dass Inklusion bei uns nicht nur ein Wort ist, sondern gelebt wird. Natürlich bleiben auch moderne Sportstätten und die Erfahrung, dass wir Großveranstaltungen erfolgreich organisieren können. Aber das eigentliche Vermächtnis ist ein anderes: Wir haben gezeigt, was möglich ist, wenn ein ganzes Land zusammenhält. Diese Veranstaltung war auch ein politisches Statement. Wir haben gezeigt, dass wir nie wieder zulassen, dass Menschen aussortiert werden, nur weil sie anders sind. Menschen mit geistigen Behinderungen sind anders – sie sind besonders. Nämlich besonders wertvoll. Sie bereichern unser Leben und unsere Gesellschaft – dafür standen, und stehen die nationalen Spiele der Special Olympics 2026 im Saarland! Darauf können wir im Saarland wirklich stolz sein.

Das Interview hat Sebastian Zenner für das SaarSport Magazin - Ausgabe 03-2026 geführt.