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Tokio kann kommen

Interview mit Prof. Dr. Klaus Steinbach, dem Vorsitzenden der Sportstiftung Saar.

Prof. Dr. Klaus Steinbach am Freitag (08.02.2019) in Lebach Foto: Thomas Wieck

Die Olympischen Spiele von Tokio werfen ihre Schatten voraus. Von Ende Juli bis Anfang August werden auch einige saarländische Sportler beim Großereignis in der japanischen Metropole ihr Können demonstrieren. So wie einst Prof. Dr. Klaus Steinbach.

Mit der deutschen Staffel gewann der ehemalige Weltklasse-Schwimmer 1972 in München Olympia-Silber über 4x200m Freistil und vier Jahre später in Montreal Bronze über 4x100m Lagen. Nach seiner aktiven Sportlerlaufbahn war Steinbach in anderen Funktionen ab Atlanta 1996 Stammgast bei Olympischen Spielen: als Mannschaftsarzt, als Chef de Mission des deutschen Olympia-Teams, 2008 als Mitglied der Medizinischen Kommission des IOC und gleichzeitig als Fan von Tochter Laura, die in Peking für die deutschen Handballerinnen auf Torejagd ging. Steinbach kennt sich mit dem Thema Olympia aus wie kaum ein anderer. Im Interview mit dem SaarSport gibt der 67-Jährige einen Ausblick auf die Spiele in Tokio. 

Herr Steinbach, die Olympischen Spiele in Tokio stehen vor der Tür. Trotz der Corona-Pandemie soll das Großereignis nach derzeitigem Stand stattfinden. Wie sicher sind Sie, dass es so kommt?
Klaus Steinbach (Vorsitzender Sportstiftung Saar)
: Ich hoffe sehr darauf, dass die Spiele stattfinden können. Ich selbst hatte das große Glück, an zwei Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen. Und hätte es 1980 nicht den Olympiaboykott gegeben, wären es sogar drei Teilnahmen gewesen. Aufgrund dieser Absage weiß ich aber auch, was für eine Riesenenttäuschung es für die Sportler wäre, wenn Olympia jetzt doch nicht stattfinden würde. Für viele Weltklasseathleten war das damals die Enttäuschung schlechthin in ihrem Sportlerleben. Das wünsche ich wirklich niemandem. Ich kann auch die Angst der Athleten verstehen. Um die 300 deutsche Sportler sind ja bereits für Olympia qualifiziert. Für sie und für alle anderen ist das keine leichte Situation. Es werden so oder so spezielle Spiele, weil sie coronabedingt auch unter anderen atmosphärischen Bedingungen stattfinden.  

Halten Sie die Durchführung denn aus medizinischer Sicht für vertretbar?
Steinbach
: Ich halte es unter Einhaltung aller Hygieneregeln für vertretbar. Zumal die Bundesregierung entschieden hat, dass die Olympia-Mannschaft vorgezogen geimpft werden kann. Die Athleten haben zwar immer gesagt, sie wollen keine derartige Bevorzugung. Allerdings halte ich das für sehr wichtig und auch fair, ansonsten würde daraus für unsere Athleten im Vergleich mit anderen Ländern ein Nachteil entstehen. Und was die Menge an Impfstoff angeht, die dafür benötigt wird: Diese wäre im Verhältnis marginal. Es werden jetzt bis zu eine Million Menschen täglich geimpft. Der Bedarf für das Olympia-Team beliefe sich für die Doppelimpfung auf weniger als 2000 Dosen. 

Auch einige saarländische Sportler würden dann geimpft an den Start gehen. Wie lautet Ihr Zwischenfazit in Bezug auf die bereits qualifizierten Athleten?
Steinbach
: Ich finde, wir stehen bis jetzt hervorragend da. Wir haben in Deutschland etwa 80 Millionen Einwohner. Das Saarland macht ein Achtzigstel der Republik aus. Und bis jetzt haben sich knapp 300 Sportler für Olympia qualifiziert. Teilt man das durch 80, ergibt das rund 3,5. Wenn wir also vier Sportler dabeihätten, wäre das schon gut. Wir haben aber Stand Anfang Mai sogar schon acht Athleten, die sicher mit dabei sein werden. Und dazu kommen noch einige aussichtsreiche Kandidaten mit guten Chancen. Es sieht also richtig gut aus. 

Können Sie uns den aktuellen Stand ein wenig erläutern?
Steinbach
: Im Ringen haben sich Gennadij Cudinovic und Etienne Kinsinger über ein entsprechendes Qualifikationsturnier sicher für Tokio qualifiziert. Ihnen trauen wir dort einiges zu. Richard Ringer vom LC Rehlingen hat die Norm im Marathon erfüllt. Bei ihm rechnen wir fest mit einer Nominierung durch den Deutschen Leichtathletik-Verband. Auch Schwimmer Christoph Fildebrandt hat die entsprechende Norm erreicht und seinen Platz in der 4x100 Meter Freistilstaffel sicher. Dazu ist Patrick Franziska vom 1. FC Saarbrücken-TT fester Bestandteil der deutschen Tischtennis-Nationalmannschaft. Und für die Paralympics hat sich Boccia-Spieler Boris Nicolai über die Weltrangliste bereits fest qualifiziert. Darüber hinaus haben sich mit Isabel Herttrich und Marvin Seidel zuletzt zwei Sportler von Badminton-Bundesligist 1. BC Bischmisheim für Olympia qualifiziert. Marvin Seidel wird mit seinem Partner Mark Lamsfuß in der olympischen Doppelkonkurrenz teilnehmen. Sie haben zuletzt mit dem zweiten Platz bei der Europameisterschaft gezeigt, wie gut sie in Form sind. Bei Isabel Herttrich und Mark Lamsfuß war es im Mixed bis zuletzt eine enge Angelegenheit. Erfreulicherweise ist aber inzwischen klar, dass auch sie bei Olympia im gemischten Doppel an den Start gehen können. 
Und dann wäre da ja noch Laura Müller, die aus meiner Sicht sehr gute Chancen auf einen Platz in der 4x400-Meter-Staffel hat. In der Leichtathletik ist es ganz normal, dass die Qualifikation bzw. Nominierung immer erst recht zeitnah zu den Spielen hin erfolgt. Schließlich hat die Freiluftsaison erst begonnen. Aber wir sind bei Laura sehr zuversichtlich. Auch mit Blick auf zwei weitere Kandidaten für die Paralympics. Anita Raguwaran befindet sich im Bereich Para-Boccia derzeit in Lauerstellung. Wir hoffen, dass ihr ein Startplatz zufällt. Zudem ist da natürlich Nicole Nicoleitzik. Bei ihr ist das Problem, dass rund ein Jahr lang überhaupt kein Para-Leichtathletik-Wettkampf für sie möglich war. Sie braucht aber einen entsprechenden Leistungsnachweis, muss die Norm erfüllen. Daher ist der saarländische Behindertensportverband bemüht, etwas in dieser Richtung zu finden oder auf die Beine zu stellen. Wir sind zuversichtlich, dass das gelingt und Nicole ihre erneute Teilnahme klarmacht. Sollten sich tatsächlich alle Kandidaten für Olympia qualifizieren, können wir wirklich sehr zufrieden sein. Und man darf ja nicht vergessen, dass wir noch Stefan Kuntz als Trainer der U21-Fußballer bei Olympia mit dabei haben.

Man darf also von einer sehr erfreulichen Bilanz sprechen. Verraten Sie uns anhand Ihrer eigenen Erfahrung doch mal, was diese Sportler bei Olympia erwartet? Sie haben zwei Olympische Spiele als Athlet mitgemacht. Was bedeutet es für einen Sportler, dort dabei zu sein?
Steinbach
: Man wird in erster Linie für sich emotional unheimlich reich, weil das Erlebnis Olympia einfach so ein einmaliges ist. Nur ganz wenige Sportler schaffen es dorthin. Man zählt durch die Teilnahme zur goldenen Spitze der Pyramide. Allein die Erinnerung an die Eröffnungsfeier von Olympia 1972 in München – das war emotional so unglaublich. Ich war damals gerade 18 Jahre alt, meine Schwester Angela war 17. Diese Momente, als der Ansager Blacky Fuchsberger uns als Gastgeber als letztes Team ins Stadion rief. Der Einmarsch, der Jubel und die Begeisterung des Publikums. Man selbst winkt zurück in die Menge – einfach unbeschreiblich und ein so immenser emotionaler Reichtum, den man dadurch erfährt. Natürlich war die Leichtigkeit der ersten Woche in München durch das Olympia-Attentat der Palästinenser auf die israelische Mannschaft schnell verflogen. Danach stand das Thema Sicherheit an erster Stelle. Man muss sich mal überlegen: Vorher sind wir vom Dorf der Athleten noch zu Fuß durch die Besucher zum Schwimmtraining in die Halle – daran war nach dem Attentat natürlich nicht mehr zu denken. Und dennoch: Das olympische Flair ist einfach ein ganz besonderes. Ich hatte ja das Glück, das Ganze 1976 in Montreal – wenn auch unter wesentlich stärkeren Sicherheitsmaßnahmen – noch mal erleben zu dürfen. 

Medaillengewinne inklusive: Staffel-Silber in München, Staffel-Bronze in Montreal. Jetzt unterstützen Sie als Vorsitzender der Sportstiftung Saar andere Athleten, damit sie vielleicht mal ähnliche Erfolge für sich verbuchen dürfen. Können Sie uns die Unterstützung durch die Stiftung erläutern?
Steinbach
: Maßgebend für die Förderung ist eine Olympiade, also die Zeit zwischen den Spielen. Die Olympischen Spiele beschließen die Olympiade. Vier Jahre im Vorlauf treffen wir die erste Auswahl, welche Sportler in das saarländische Olympia-Team, aktuell ist es das Team Tokio, aufgenommen werden. Durch gute Leistungen ist eine Aufnahme jederzeit möglich. Außerdem erstellen wir einen Perspektivkader, aktuell Paris 2024, sodass wir auf eine Zahl von bis zu 30 Sportlern kommen. Diese Athleten fördern wir zum einen finanziell mit monatlichen Beträgen. Unser Gesamtfördervolumen bewegt sich zwischen 150.000 und 200.000 Euro, die wir für drei satzungsgemäße Zwecke verwenden: Spitzensport. Schule und Sport. Integration und Inklusion. Der Spitzensport ist sicherlich ein Schwerpunkt, wenn auch nicht der einzige. Wir möchten jungen Sportlern helfen, sie begleiten, beraten. Es geht dabei nicht nur allein um das Sportliche, sondern auch darum, dass Spitzensportler parallel die Möglichkeit haben, ihre berufliche Karriere zu entwickeln. Gerade wenn es um Sportler geht, die auf keinen Fall reich mit ihrem Sport werden, ist es unsere Aufgabe, diese zu unterstützen. Etwa in Bezug auf Praktikums- oder Traineestellen. Oder in Sachen Studium. Die sogenannte immaterielle Unterstützung haben wir genauso im Blick. Wir möchten, dass die Sportler unseren Rückhalt spüren. In dem Zusammenhang sind wir froh und stolz, dass wir Förderpartner haben, die uns auch in schweren Zeiten wie jetzt mit Corona die Stange gehalten haben. Ob Industrie, Einzelhandel oder Privatpersonen. Wir sind dankbar für jede regionale Hilfe, die unserer regionalen Stiftung zukommt. Ich hoffe, dass wir nach einer coronabedingt schweren Zeit wieder intensiver Gespräche führen, Kontakte pflegen und auch neue Partner für unsere Anliegen gewinnen können. Generell bin ich zuversichtlich, dass wir die Herausforderungen nach Corona auch weiter gut bewältigen werden. 

Herr Prof. Dr. Steinbach, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte David Benedyczuk