Generationenunterschiede verstehen

„Die Jugend in unserem Verein, die tickt ja heute ganz anders als wir früher.“ Oft hört man diesen Satz im Verein oder am Stammtisch. Einfach einmal so gesagt, verbirgt sich dahinter doch ein wichtiges Thema zur Gewinnung Ehrenamtlicher: die verschiedenen Generationen.

Im Verein wirken in der Regel Jung und Alt zusammen. Hinsichtlich ihrer Motivation, ihren Werten, Einstellungen, Lebensstilen und Arbeitsweisen gibt es jedoch enorme Unterschiede. Oftmals führt dies zu Unverständnis und Generationenkonflikten. Machen sich aber alle diese unterschiedlichen Sichtweisen und Hintergründe bewusst, ist es wesentlich einfacher zusammen zu arbeiten.

Deutlich wird dies bei den unterschiedlichen Lebensmottos: Die heutige Generation Y (15-35 Jahre) „Lebt beim Arbeiten“, die Generation X (35 - 50 Jahre) „Arbeitet um zu Leben“, die Generation der Babyboomer und Wirtschaftswunder (ab 50 Jahren) „Lebt um zu Arbeiten“. Dies sagt bereits viel über die Motivation und Erwartungen der einzelnen Generationen bei Tätigkeiten im Verein und Vorstand aus:

Für die „Jüngeren“ muss Ehrenamt Spaß machen und flexibel zu „erleben“ sein. Wichtig dabei sind Teamarbeit, flache Hierarchien, eigene Kompetenzen und Freiheiten sowie lediglich vorgegebene Ziele und Visionen.

Für die „ältere Generation“ bedeutet Ehrenamt oftmals bereits eine lange Verpflichtung, Gewohnheiten, persönliche Anerkennung und bereits ein gewisser Status sowie mehr Zeit für das Ehrenamt als im Berufsleben.

Herausforderung Generationenwechsel:

Wie hoch ist das Durchschnittsalter in ihrem Vorstand? In vielen saarländischen Vereinen werden die Vorstandsaufgaben schon seit Jahren von den ein und selben erledigt. Lange Amtszeiten und überalterte Vorstände sind somit keine Seltenheit.

„Von den Jungen will es ja keiner machen!“, so heißt es dann oft. Sind dennoch einige jüngere Vereinsmitglieder bereit sich einzubringen, kommt es oft zu Konflikten und Unstimmigkeiten zwischen den Generationen. Sätze wie „Das haben wir schon immer so gemacht, und das hat schon immer funktioniert“ sind keine Seltenheit. Aber dieser Satz allein ist schon ein Motivations-Killer für engagierte junge Ehrenamtliche mit neuen, frischen Ideen. 

Neue Ehrenamtliche zu finden und in die Vereinsarbeit zu integrieren heißt unumgänglich Aufgaben und Verantwortung abgeben zu können. Das Festhalten an alten Traditionen und Arbeitsweisen, auch wenn sie sich in der Vergangenheit und vielleicht auch in der Zukunft bewähren, ist ein wesentlicher Grund dafür, warum in vielen Vereinen der Generationenwechsel nicht funktioniert.

Ist diese Grundbereitschaft zur Übergabe gegeben, können gut geplante Maßnahmen den Generationenwechsel vereinfachen. Beispiele:

- Mentoren-Projekte
- Dokumentation von Prozessen und Abläufen
- Sortierung und Zusammenstellung aller wichtigen Unterlagen
- Zeitlich ausreichende Übergabephase und Einführung in alle Aufgaben
- Wechsel zum Ratgeber im Hintergrund
- usw.

Weitere Informationen und Impulse:

Veränderungsprozesse im Vereinsvorstand

Vortrag von Walter Wiberny im Rahmen des Fachworkshops des DOSB zum Projekt "Attraktives Ehrenamt im Sport"

Tipp

Für eine funktionierende Zusammenarbeit aller Generationen im Verein und im Vorstand ist es deshalb sinnvoll, dass sich alle Beteiligten mit den Sicht- und Arbeitsweisen, aber auch mit den Erwartungen und Wünschen der anderen auseinandersetzen. Rufen Sie doch einmal einen runden Tisch mit allen Generationen ins Leben, für einen Austausch und eine Ist-Aufnahme ob und wie die generationenübergreifende Vereinsarbeit in Ihrem Verein funktioniert.

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