Moderne Organisationsstrukturen zur Gewinnung junger ehrenamtlich Engagierter

Um auch junge, motivierte Engagierte für die Mitarbeit im Verein und im Vorstand zu finden, bedarf es moderner Organisationsstrukturen und Arbeitsweisen in der gesamten Vereinsarbeit.

Die Betrachtung der Generationenunterschiede sowie die Auswirkungen der unterschiedliche Motive und Einflussfaktoren auf das Ehrenamt zeigt, dass es für viele Vereine unumgänglich ist, ihre Vereinsstrukturen und Arbeitsweisen an die Erwartungen jüngerer Generationen anzupassen. 

Ehrenamt früher

Ehrenamt heute

lange „Verpflichtung“ der Tätigkeit im Verein

zeitliche Ausgestaltung der Tätigkeit anhand der Lebensumstände des Einzelnen, befristete Ämter

selbstloses Handeln (nur für den Verein)

Erwartung einer Gegenleistung (Anerkennung, Erfahrungen, Aufwandsentschädigung)

Vorgaben von oben herab

flache Hierarchien, Freiheiten und Selbstbestimmung bei der Ausgestaltung eines Amtes

Handeln aus Gewohnheit

Sinnhaftigkeit des Handelns ist Voraussetzung für die Übernahme eines Ehrenamtes

Amtsbindung

keine Amtsbindung, flexible Einteilung der Durchführung eines Ehrenamts

Einstellungen und Arbeitsweisen älterer Generationen

Einstellungen und Arbeitsweisen jüngerer Generationen

Ehrenamt ist eine lange Verpflichtung

Gewohnheiten prägen die Vereinsarbeit

Persönliche Anerkennung im Ehrenamt ist bereits erarbeitet

Arbeitsweisen haben sich bewährt und sollten beibehalten werden

Nach dem Berufsleben besteht mehr Zeit für die Ausübung eines Ehrenamts

Ehrenamt muss vor allem Spaß machen

Ehrenamt muss flexibel zu „erleben“ sein

Teamarbeit

Flache Hierarchien

Eigene Kompetenzen einbringen und Entscheidungsfreiräume

Begrenzte Zeitverfügbarkeit für das Ehrenamt

Fazit

Um neue ehrenamtliche Engagierte für die Mitarbeit im Verein zu Gewinnung und dauerhaft zu binden, müssen die eigenen Organisationsstrukturen tiefgreifend auf den Prüfstand gestellt werden. Dabei gilt es auch für die „alten Hasen“ im Vereinsgeschäft offen zu sein für Veränderungen und frischen Wind.

Aussagen wie: „Das haben wir schon immer so gemacht“ sind an der ein oder anderen Stelle vielleicht berechtigt. Dennoch bewirken sie gerade das Gegenteil, nämlich Motivationsverlust, Vertrauensbruch und Abkehr vom Ehrenamt.

Folgende Ideen und Impulse für eine moderne Vorstandsarbeit könnten auch bei Ihnen diskutiert werden:

  • Einführung von Stellen-, Aufgaben- und Prozessbeschreibungen
  • Zuständigkeiten klar definieren und strukturieren
  • Ressortbildung in der Vereinsstruktur mit dem Ziel, viele Aufgaben auf viele Schultern zu verteilen sowie veraltete Hierarchiestufen zu vereinfachen
  • Einführung von Projektarbeit in den einzelnen Ressorts und Teams
  • Umverteilung von Vorstandsaufgaben auf weitere Vereinsmitglieder in kleinen, überschaubaren „Paketen“
  • Abkehr von der kurzfristigen, hin zur strategischen Planung zur Nachbesetzung von Vorstandspositionen. Einführung eines „Karrieremanagements im Ehrenamt“

Moderne Vorstandsarbeit heißt auch

  • Niemanden bei der Verteilung von Informationen oder der Einbeziehung bei Entscheidungen vergessen
  • Regelmäßige, offene Treffen und Sitzungen auf einer fachlichen Ebene
  • Delegieren statt Herrschen
  • Kompetenzen verteilen und abgeben können
  • Strategisches Denken immer einmal wieder vor das Alltagsgeschäft ziehen

Klar ist auch, dass die Bewältigung des Alltagsgeschäfts die meisten Kräfte verzehrt. Versuchen Sie allerdings sich an der ein oder anderen Stelle immer einmal wieder Zeit zu nehmen, Visionen zu entwickeln und über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Die Gewinnung neuer Ehrenamtlicher kann ein Selbstläufer werden: Wenn ihre Mitglieder merken, dass die Vorstands- und Vereinsarbeit allen Beteiligten Spaß macht und reibungslos läuft, wird auch für sie ein ehrenamtliches Engagement interessant.