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Nachrichten aus dem Bereich Integration durch Sport

27.09.2017

Eine Brücke zwischen den Welten


Ein neues Tandem-Projekt soll die Brücke zwischen syrischen und anderen nach Deutschland gekommenen Frauen sowie den Vereinen bauen. Desirée Schwarz und Hadeel Mhd Taha stemmen in Zukunft gemeinsam das Projekt für die Integration von Frauen.

rau Schwarz, Frau Taha, Sie beide arbeiten seit Neustem als Tandem für Willkommen im Sport, das von Staatsministerin Aydan Özoğuz, der Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration der Bundesregierung, gefördert wird. Was kann man sich unter diesem Tandem-Projekt vorstellen?

Desirée Schwarz: Hadeel und ich fungieren als Tandem. Ich bin quasi ihr verlängerter Arm und ihr Medium, um die Verbindung zum Landessportverband für das Saarland und dem Sport sowie zu den Vereinen zu schaffen. Sie hingegen ist meine Verbindung zu den ausländischen Frauen, sowohl Syrerinnen als auch Frauen anderer Herkunft.

Hadeel Mhd Taha: Desiree und ich werden intensiv zusammenarbeiten, damit wir die bestmöglichen Ergebnisse erzielen.

 

Was ist das Ziel dieses Projekts?

Schwarz: Unser Ziel ist es, Frauen zu stärken und zu mehr Selbständigkeit zu bewegen. Hier dient der Sport als gutes Mittel, um Freiheit auszuleben und selbständig etwas zu tun. Außerdem verbindet der Sport Menschen unterschiedlicher Herkunft, Altersstruktur oder auch sozialer Strukturen. Frauen sollen zum Sport ermutigt werden und ihnen sollen die Möglichkeiten der unterschiedlichen Sportarten gezeigt werden. Begeisterung soll geschaffen werden. Über die Frauen sollen dann natürlich auch die Familien und Kinder in die Vereine gelockt werden.

Taha: Wir möchten den Frauen die Wichtigkeit des Sports näherbringen. Zudem sollen sie sich mit der jeweils anderen Kultur besser identifizieren und auch verbinden. Gerade die jungen Mädchen sollen herausfinden, wie viel Energie und Talent in ihnen steckt.

 

 Wie entstand das Tandem-Projekt überhaupt?

Schwarz: Das Projekt entstand durch die Initiative von Simon Kirch, der das Projekt betreut, und die Kommunikation mit Mike White, der die Stabsstelle der Stadt St. Ingbert leitet. Beide haben guten Kontakt zueinander und so konnte Hadeel über St. Ingbert zu uns gelangen. Herr Kirch hat uns beide dann quasi zusammengebracht.

 

Sie beide sollen für Integration durch Sport vor allem die Zielgruppe der Frauen ansprechen. Welche Qualifikationen bringen Sie mit sich und wie ergänzen Sie sich?

Taha: Ich stamme selbst aus Syrien, habe dort Sozialarbeit studiert und viel mit Kindern gearbeitet. Zudem kenne ich viele der Frauen in der Zielgruppe. Mit einigen von ihnen lerne ich zusammen Deutsch.

Schwarz: Ich kann sehr gut meine Erfahrungen im Sport einbringen, unter anderem meine Arbeit als Leistungssportlerin im Speerwurf sowie meine Tätigkeiten als Dozentin, Referentin und Trainerin im Breitensport. Bereits seit 2016 arbeite ich in der Stabsstelle Integration durch Sport und habe ein abgeschlossenes Bachelor-Studium in Sportökonomie. Zudem ergänzen Hadeel und ich uns prima, da ich eine deutsche Frau bin und Hadeel aus Syrien stammt. Wir schaffen so eine Brücke beider Kulturen.

 

 Wie sieht die gemeinsame Arbeit aus?

Taha: Wir sind noch in den ersten Schritten und stellen eine Gruppe an Frauen zusammen, die an diesem Projekt teilnehmen soll.

Schwarz: Als erstes werden wir viel Netzwerkarbeit betreiben, um viele Frauen für uns zu gewinnen. Das Vertrauen und Verständnis von beiden Seiten muss aufgebaut werden, um dann weitere Projekte zu starten.

 

Welche Aufgaben gilt es zu erfüllen und welche Projekte laufen derzeit oder sind in Planung?

Schwarz: Die Frauen sollen für das Projekt und den Sport mit all seinen Facetten gewonnen werden. Motivation soll gefiltert und kanalisiert werden. Wir wollen die Frauen langfristig an die Vereine binden und bei der Suche nach dem richtigen Umfeld unterstützen. Umgekehrt sollen die Vereine für diese Zielgruppe geöffnet werden. Eine erste Kooperation existiert bereits mit dem Saarländischen Tischtennisbund: Tischtennis ist einfach zu lernen und bietet einen guten Einstieg in den Sport. Außerdem ist es eine Sportart, die sehr viel Spaß bereitet und auch allein oder in sehr kleinen Gruppen betrieben werden kann.

Taha: Wir möchten den ersten Schritt der Verbindung zwischen der arabischen und der deutschen Kultur machen und diese Verbindung vertiefen. Unsere Gruppe an Frauen im Projekt soll wachsen und wir möchten die Bandbreite an Aktivitäten erweitern.

 

Auf welche Herausforderungen und Probleme werden Sie bei dem Projekt stoßen?

Taha: Ich denke nicht, dass wir auf viele Probleme stoßen werden, höchstens was die Pünktlichkeit angeht. Sicher werden auch mal unterschiedliche Meinungen aufeinander treffen.

Schwarz: Die Herausforderung wird es sein, die Frauen zu begeistern und ihr Vertrauen zu gewinnen. Sie müssen langsam an das neue Leben und die neu gewonnene Selbständigkeit und Vielfalt herangeführt werden. Vor allem die Wichtigkeit von Sport und Gesundheit müssen vermittelt werden. Dazu sollen die Frauen erkennen, dass Sport auch eine Zeit ist, in der sie für sich alleine sind und Freiraum zur Selbstverwirklichung haben.

 

Text: Tina Klinkner