30 #special olympics Sie sind gebürtig aus Wuppertal, sind spä- ter zum Studium ins Saarland gekommen und haben seit vielen Jahren hier Ihren Lebensmittelpunkt. Wie würden Sie ihren Bezug zum Saarland beschreiben und wie haben Sie die Bewerbung für die Ausrich- tung der Nationalen Spiele wahrgenom- men, ebenso die positive Entscheidung durch ihr Präsidium? Krajewski: Das Saarland ist meine Heimat. Als das Saarland sich auf die Nationalen Spiele 2026 beworben hat, habe ich mit großem Interesse wahrge- nommen, dass sich die Landesregierung mit dem Landessportbund und Special Olympics Saarland in dieser Dreiergemein- schaft als Gastgeber bewirbt. Das Saarland hat sich mit seiner hervorragenden Bewer- bung im Wettbewerb durchgesetzt. Die Saarland-Bewerbung war auch deshalb so attraktiv, weil sie drei Merkmale hat, die erstmalig sind: erstmals im Südwesten, erstmals über die Grenzen hinaus, mit dem Schwimmen in Forbach, und erstmals de- zentral im ganzen Bundesland, sodass auch dieser Gedanke der Host Towns und diese starke Beteiligung der Kommunen sichtbar wird. Diese drei waren starke Aspekte, um die Bewerbung zum Erfolg zu führen. Das Präsidium unter meiner Führung hat des- halb einstimmig entschieden, die Spiele hier durchzuführen. Ich freue mich sehr auf die Spiele, aber ich habe mich bei keinen Nationalen Spielen so persönlich verantwortlich gefühlt wie hier im Saarland – eben weil die Spiele in meiner Heimat stattfinden. Wie ist Ihre Einschätzung, was den Stand der Vorbereitung für dieses Mega-Event mit rund 14.000 akkreditierten Personen und vielen Tausenden Zuschauern bei den Wettkämpfen und im Rahmenprogramm angeht? Krajewski: Wir liegen auf Kurs. Mein Eindruck ist, dass wir die we- nigen Tage bis hin zu den Nationalen Spielen noch brauchen, aber auch alles hinkriegen werden. Es ist bei manchem schon ein Wettlauf mit der Zeit, das betrifft die Infra- struktur, ob das jetzt das Kieselhumes-Sta- dion ist oder das FC-Sportfeld in Saarbrü- cken, um zusätzliche Fußballplätze zu generieren, das ist alles durchaus auf Kante genäht – aber ich bin hoffnungsvoll, dass es SaarSport >>1 | 2026 klappt. Ich glaube, dass sich die Verant- wortlichen für diesen Teil auch sehr be- wusst sind, dass es einfach hinhauen muss. Welche Bedeutung hat dieses Ereignis aus Ihrer Sicht ganz konkret für die Gast- geberregion? Krajewski: Es ist zuallererst eine Herausforderung. Die Gastgeber aus Landesregierung, Landessportverband für das Saarland und Special Olympics Saarland müssen da schon alles geben. Es gibt sicherlich Bereiche, in denen die Kapa- zitäten bis an die Grenze ausgelastet sein werden. Das Thema Übernachtungen ist nicht trivial. Es müssen ja alle ein Bett zum Schlafen haben, die Delegationen, Familien, Helfer, die Trainer, alle Beteiligten. Wir schätzen mit 13.000 Personen, die vor Ort untergebracht werden müssen. Das ist schon eine Herausforderung, aber ich glau- be, dass das Saarland das hinbekommt. Auch die gesamte Logistik ist komplex, weil die Nationalen Spiele in allen Kreisen und vielen Kommunen stattfinden. Die Wirkun- gen werden uns für alle Mühen entschädi- gen. Es werden viele Gäste zum ersten Mal in ihrem Leben ins Saarland kommen. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeder das Saarland kennt. Ich rede jetzt nicht über Gastronomiezahlen oder generell Umsatz- zahlen, obwohl man die auch nicht außen vor lassen muss. Ich denke an die Wirkung für das Saarland als Sportland. Das ,Ge- meinsam stark‘ von Special Olympics und das Motto der Gastgeberkampagne ,Dabei- sein ist Saarland‘ – das fasst alles zusam- men, das bündelt sich in diesem „Wir“. Wir wollen gemeinsam zeigen, dass dieses Land offen ist, dass es inklusiv ist, dass es sportbegeistert ist, dass es die Schulklas- sen mit einbezieht, dass es das ganze Land aktiviert – das sind die Effekte, die ich mir daraus erwarte. Wie inklusiv ist das Saarland aus Ihrer Sicht bereits? Krajewski: Viele Akteure denken sehr inklusiv, aber in der Praxis ist noch viel Luft nach oben. Das gilt allerdings für ganz Deutschland, das muss man so sa- gen. Wir sind nicht spitze in der Inklusion. Wir setzen durchaus mühsam die UN-Be- hindertenrechtskonvention und das Bun- desteilhabegesetz zugunsten der betroffe- und der nen Menschen um. Oder: Wenn wir spitze wären, müssten sich aber schon viel, viel mehr allgemeine Sportvereine für Athletin- nen und Athleten geöffnet haben. Dann müssten viel mehr Schulen durchgängig auch inklusive Bildungsangebote machen. Und es müsste viel mehr im Arbeitsmarkt passieren, damit auch Menschen mit Beein- trächtigung nicht nur in der Werkstatt, son- dern am ersten Arbeitsmarkt ihren Platz finden. Das sind alles wichtige Bereiche. Es müssten viel mehr Ärzte verstehen, wie man Menschen mit geistiger Behinderung richtig behandelt. Da meine ich Aspekte wie leichte Sprache oder ein barrierefreier Zu- gang. Ich möchte diese Themenfelder ne- ben dem Sport, der Bildung, dem Arbeits- markt als herausragende Bereiche nennen, wo noch Luft nach oben ist. Im bundesweiten Ver- gleich stehen wir im Saarland sicherlich ganz gut da. Im internationalen Vergleich steht ganz Deutschland nicht ganz oben. Es gibt natürlich immer die politische Diskus- sion um Inklusion. Ist das ein Menschen- recht? Aus meiner Sicht ja, Inklusion ist Teil- habe. Und es ist ein Menschenrecht, selbstbestimmt und gleichberechtigt teil- zuhaben. Und wenn man ein Handicap hat, ist es eine gesellschaftliche Aufgabe, mit diesem Handicap so umzugehen, dass so viel Teilhabe wie möglich realisiert werden kann. Und da sage ich, was jetzt gar nicht miesepetrig gemeint ist: Es ist schon viel passiert, im Saarland besonders viel – aber es ist auch noch viel zu tun. Gesundheit Was sehen Sie im Saarland vielleicht be- sonders positiv? Krajewski: Die Tatsache, dass Spe- cial Olympics Saarland seit einigen Jahren Fachverband im Landessportbund ist, hilft sehr. Die Vernetzung mit anderen Sportfachverbänden nimmt immer weiter zu, auch die Unterstützung durch die Sport- fachverbände im Vorfeld der Nationalen Spiele ist gut, ist sogar prima. Wir haben einen eigenen Sportverein, den Special Olympics Sportverein. Das ist auch etwas Besonderes. Und ein zweiter Verein ist ge- rade in der Gründung. Wir wollen dort nicht exklusiv trainieren, sondern versuchen, über unsere Aktivitäten zu bewirken, dass inklusiv trainiert werden kann. Idealerweise müssten sich wie erwähnt die allgemeinen Sportvereine noch mehr öffnen. Was das